Ein Familien-Notfallplan hilft nicht nur bei großen Lagen. Er kann schon bei kleineren Alltagssituationen entlasten: Ein Elternteil ist nicht erreichbar. Die Kita muss früher schließen. Ein Unwetter legt den Heimweg lahm. Ein Kind muss unerwartet abgeholt werden. Ein Stromausfall betrifft die Wohnung. Eine Evakuierung wird angeordnet. Oder eine Familie muss wegen Brand, Gasgeruch oder Hochwasser schnell das Haus verlassen.
In solchen Momenten ist nicht die perfekte Ausrüstung entscheidend, sondern Klarheit. Wer ruft wen an? Wer holt welches Kind? Wo treffen wir uns, wenn wir nicht nach Hause können? Wo liegen Dokumente? Welche Medikamente braucht unser Kind? Wer weiß Bescheid, wenn beide Eltern nicht erreichbar sind?
Gerade mit Kindern hilft ein Notfallplan, weil er Erwachsenen Ruhe gibt. Und diese Ruhe überträgt sich. Kinder müssen nicht alle Details kennen. Aber sie profitieren davon, wenn Erwachsene vorbereitet sind und einfache, klare Sätze sagen können: „Wir haben einen Plan. Wir bleiben zusammen. Wenn wir uns nicht zu Hause treffen können, wissen wir, wohin wir gehen.“
Dieser Artikel zeigt dir, wie du einen Familien-Notfallplan praktisch erstellst - ohne Panikmache, ohne Überforderung, aber mit den wichtigsten Punkten, die im Ernstfall zählen.
Das Wichtigste vorab
Ein guter Familien-Notfallplan muss nicht kompliziert sein. Eine übersichtliche Seite kann mehr wert sein als ein perfekter Ordner, den niemand findet.
Die wichtigsten Bausteine sind:
Notfallkontakte: Eltern, Großeltern, Nachbarn, Kita, Schule, Kinderarztpraxis, wichtige Bezugspersonen.
Treffpunkte: ein Treffpunkt in der Nähe und ein zweiter Treffpunkt außerhalb des direkten Wohnumfelds.
Abholregelungen: Wer darf welches Kind aus Kita, Schule oder Betreuung abholen?
Medizinische Informationen: Allergien, Medikamente, Vorerkrankungen, Notfallmedikamente, Krankenkasse.
Dokumente: Ausweise, Geburtsurkunden, Krankenversicherungskarten, Impfpässe, Vollmachten, wichtige Kopien.
Warn- und Informationswege: Warn-App, Radio, lokale Informationen, 112, 110, 116117, Giftnotruf.
Notfallrucksack und Vorräte: Wo stehen sie? Wer nimmt was mit?
Kinderkommunikation: einfache Sätze, klare Zuständigkeiten, keine dramatischen Erklärungen.
Merksatz: Ein Familien-Notfallplan soll im Ernstfall nicht alles lösen. Er soll verhindern, dass ihr bei null anfangen müsst.
Warum Familien einen eigenen Plan brauchen
Allgemeine Krisenvorsorge ist wichtig. Aber Familien haben besondere Fragen:
Wo sind die Kinder, wenn etwas passiert?
Wer ist erreichbar?
Wer hat Abholberechtigung?
Welche Medikamente oder Allergien müssen bekannt sein?
Wie kommt ein Kind nach Hause, wenn Bus oder Bahn ausfallen?
Was passiert, wenn ein Elternteil unterwegs ist?
Was machen Geschwister, wenn sie an unterschiedlichen Orten sind?
Welche Bezugsperson kann helfen, wenn Eltern nicht erreichbar sind?
Viele dieser Fragen wirken im normalen Alltag theoretisch. Im Ernstfall werden sie sehr praktisch. Ein Plan entlastet, weil Entscheidungen vorab getroffen wurden.
Wichtig ist: Der Plan muss zu eurer Familie passen. Eine Familie mit Baby braucht andere Absprachen als eine Familie mit Schulkindern. Alleinerziehende brauchen andere Backup-Strukturen als zwei berufstätige Eltern mit Großeltern in der Nähe. Familien mit chronisch krankem Kind brauchen einen besonders klaren medizinischen Teil.
Baustein 1: Notfallkontakte sammeln
Die Kontaktliste ist das Herzstück des Familien-Notfallplans. Sie sollte nicht nur im Smartphone gespeichert sein. Wenn Akku, Netz oder Gerät ausfallen, ist eine Papierliste sehr wertvoll.
Nimm auf:
Mutter / Vater / Sorgeberechtigte,
zweite Telefonnummern, wenn vorhanden,
Großeltern oder andere Verwandte,
vertrauenswürdige Nachbarn,
enge Freunde,
Kita, Schule, Hort oder Tagespflege,
Kinderarztpraxis,
nächstgelegene Kinderklinik, falls bekannt,
Hausarztpraxis der Erwachsenen,
Arbeitgeber oder wichtige Arbeitskontakte,
Betreuungspersonen,
Notruf 112,
Polizei 110,
ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117,
regionaler Giftnotruf.
Prüfe die Liste mindestens zweimal im Jahr. Telefonnummern ändern sich, Kitas wechseln, Menschen ziehen um, Zuständigkeiten ändern sich. Eine veraltete Liste kann im Ernstfall mehr verwirren als helfen.
Praktisch ist eine kurze Reihenfolge:
Wen rufen wir zuerst an?
Wer ist die Ersatzperson?
Wer kann ein Kind abholen?
Wer hat einen Schlüssel?
Wer kennt medizinische Besonderheiten?
So wird aus einer Sammlung von Nummern ein echter Plan.
Baustein 2: Treffpunkte festlegen
Ein Treffpunkt hilft, wenn die Familie nicht wie gewohnt nach Hause kann oder sich auf dem normalen Weg verpasst. Wichtig sind zwei Ebenen:
Treffpunkt 1: nah am Zuhause
Das kann ein Nachbarhaus, eine Straßenecke, ein Spielplatz, ein bekannter Baum, eine Bushaltestelle oder ein Hauseingang sein. Dieser Treffpunkt ist für Situationen gedacht, in denen ihr das Haus verlassen müsst, aber in der Nähe bleiben könnt - zum Beispiel bei Rauch, Feueralarm, Gasgeruch oder einer kurzen Evakuierung.
Er sollte:
für Kinder leicht zu merken sein,
nicht direkt an einer gefährlichen Stelle liegen,
auch bei Dunkelheit auffindbar sein,
nicht mitten auf einer Straße oder Einfahrt liegen,
allen Betreuungspersonen bekannt sein.
Treffpunkt 2: außerhalb des Wohnumfelds
Der zweite Treffpunkt ist für größere Situationen gedacht: Straßensperrung, Hochwasser, Evakuierung, längerer Stromausfall, nicht erreichbare Wohnung oder größere Gefahrenlage.
Das kann sein:
Haus von Verwandten,
Wohnung enger Freunde,
definierter öffentlicher Ort,
Gemeindezentrum,
Schule oder Sammelstelle, wenn offiziell vorgesehen,
ein Ort außerhalb eines möglichen Gefahrenbereichs.
Wichtig: Kinder sollten nicht mit zu vielen Orten überfordert werden. Für jüngere Kinder reicht oft die einfache Botschaft: „Wenn wir nicht in die Wohnung können, gehen wir zu Oma“ oder „Wir treffen uns an der großen Uhr vor der Schule.“
Baustein 3: Abholregeln für Kita, Schule und Betreuung
Bei einem Notfall ist entscheidend: Wer darf welches Kind abholen? Kita, Schule oder Hort dürfen Kinder nicht einfach jeder Person mitgeben. Gleichzeitig kann es passieren, dass ein Elternteil nicht rechtzeitig kommt.
Kläre deshalb:
Wer ist offiziell abholberechtigt?
Sind diese Personen bei Kita/Schule schriftlich hinterlegt?
Haben sie aktuelle Telefonnummern?
Wissen sie, dass sie im Notfall helfen sollen?
Gibt es ein Codewort oder eine klare Absprache für besondere Situationen?
Was passiert, wenn die erste Person nicht erreichbar ist?
Wer informiert wen nach der Abholung?
Wichtig: Ein Codewort ersetzt keine offiziellen Abholregeln. Es kann aber innerhalb der Familie helfen, wenn ältere Kinder unsicher sind, ob sie mit einer Person mitgehen sollen. Das Codewort muss selten genutzt, aber gut bekannt sein.
Beispiel:
„Wenn Mama oder Papa dich nicht selbst abholen können, kommt Oma, Opa oder unsere Nachbarin Frau Schneider. In der Kita ist das hinterlegt. Wenn jemand anderes kommt, muss vorher ein Erwachsener mit der Kita sprechen.“
Baustein 4: Medizinische Informationen klar notieren
Medizinische Informationen gehören in jeden Familien-Notfallplan. Im Alltag wissen Eltern vieles auswendig. In Stresssituationen oder wenn andere helfen müssen, sind schriftliche Angaben wichtig.
Notiere für jedes Kind:
vollständiger Name,
Geburtsdatum,
aktuelle Telefonnummern der Eltern,
Krankenversicherung,
Kinderarztpraxis,
Allergien,
Unverträglichkeiten,
Dauermedikamente,
Dosierungsplan nach ärztlicher Vorgabe,
Notfallmedikamente,
chronische Erkrankungen,
Besonderheiten wie Asthma, Epilepsie, Diabetes, schwere Allergien,
Impfpass-Aufbewahrungsort,
aktuelles Gewicht, wenn medizinisch relevant.
Bei Kindern mit Notfallmedikamenten sollte zusätzlich ein einfacher Ablaufplan vorhanden sein: Wann wird das Medikament gegeben? Wer darf es geben? Wo liegt es? Wann wird 112 gerufen?
Dieser Teil sollte mit der behandelnden Praxis abgestimmt sein. Eltern sollten keine medizinischen Notfallpläne frei formulieren, wenn es um konkrete Dosierungen oder schwere Erkrankungen geht.
Baustein 5: Dokumentenmappe vorbereiten
In einem Notfall ist oft keine Zeit, Unterlagen zu suchen. Deshalb empfiehlt sich eine Dokumentenmappe an einem festen Ort. Alle Erwachsenen sollten wissen, wo sie liegt. Je nach Alter können auch ältere Kinder wissen: Dort sind wichtige Familienunterlagen.
In die Dokumentenmappe können gehören:
Personalausweise oder Reisepässe,
Geburtsurkunden,
Krankenversicherungskarten oder Kopien,
Impfpässe,
Familienstammbuch, falls vorhanden,
Sorgerechts- oder Vollmachtsunterlagen, falls relevant,
Medikamentenpläne,
Allergieausweise,
Versicherungsunterlagen,
wichtige Verträge,
Bank- und Kontaktdaten in sicherer Form,
Kopien wichtiger Zeugnisse oder Nachweise,
Haustierunterlagen, falls relevant.
Nicht jedes Dokument muss im Original in der Mappe liegen. Manche Originale sollten sicher verwahrt werden, während Kopien in der Notfallmappe reichen. Zusätzlich kann eine digitale Sicherung sinnvoll sein, zum Beispiel verschlüsselt, auf einem gesicherten Datenträger oder bei einer vertrauenswürdigen Stelle.
Wichtig ist der schnelle Zugriff: Eine Dokumentenmappe hilft nicht, wenn sie irgendwo im Keller hinter Kisten liegt.
Baustein 6: Warnungen und Informationen
Ein Notfallplan sollte auch festlegen, wie ihr verlässliche Informationen bekommt. In Krisen kursieren schnell Gerüchte, besonders in sozialen Medien und Messengergruppen. Deshalb ist wichtig, offizielle Warn- und Informationswege zu kennen.
Sinnvoll sind:
Warn-App NINA,
regionale Warn-Apps oder Informationskanäle, wenn vorhanden,
Radio, idealerweise batteriebetrieben oder Kurbelradio,
offizielle Webseiten von Stadt, Landkreis, Feuerwehr, Polizei oder Katastrophenschutz,
Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes,
Sirenen- oder Lautsprecherdurchsagen,
lokale Sammelstellen oder Bürgertelefone, wenn eingerichtet.
Für Kinder gilt: Sie müssen keine Liveticker verfolgen. Es reicht, wenn Erwachsene Informationen einholen und kindgerecht zusammenfassen.
Guter Satz:
„Wir schauen auf offizielle Informationen. Wenn es für uns wichtig ist, handeln wir nach den Hinweisen der Feuerwehr oder der Behörden.“
Baustein 7: Notfallrucksack und Vorräte einbinden
Ein Familien-Notfallplan ist kein Ersatz für Notfallrucksack und Vorräte. Er verbindet sie.
Kläre:
Wo steht der Notfallrucksack?
Wer nimmt ihn mit?
Gibt es mehrere Rucksäcke?
Wo liegt die Dokumentenmappe?
Wo ist die Hausapotheke?
Wo sind Notfallmedikamente?
Wo sind Taschenlampen und Powerbank?
Wo lagert Wasser?
Welche Vorräte sind für Babys oder Kinder wichtig?
Wer nimmt Haustiere oder Tierbedarf mit?
Wenn ihr das Haus schnell verlassen müsst, hilft eine einfache Reihenfolge:
Kinder sichern.
Notruf oder Warnhinweise beachten.
Notfallrucksack greifen, wenn gefahrlos möglich.
Dokumentenmappe mitnehmen, wenn gefahrlos möglich.
Treffpunkt aufsuchen.
Kontaktperson informieren.
Wichtig: Niemals für Dinge zurück in eine gefährliche Wohnung oder ein gefährliches Haus gehen. Menschen gehen vor Gegenständen.
Baustein 8: Aufgaben in der Familie verteilen
In Stresssituationen hilft es, wenn Aufgaben vorher klar sind. Natürlich kann ein Notfall anders laufen als geplant. Aber vorbereitete Zuständigkeiten geben Orientierung.
Mögliche Aufgaben:
Person A sammelt die Kinder.
Person B ruft 112 oder informiert Kontaktpersonen.
Person A nimmt den Notfallrucksack.
Person B nimmt Dokumentenmappe und Medikamente, wenn gefahrlos möglich.
Eine Person kümmert sich um Haustiere.
Eine Person informiert Kita, Schule oder Betreuung.
Eine Person hält Kontakt zu Nachbarn oder Verwandten.
Bei Alleinerziehenden ist ein externer Backup besonders wichtig:
Wer kann das Kind abholen?
Wer hat einen Schlüssel?
Wer kennt den Notfallplan?
Wer ist erreichbar, wenn du es nicht bist?
Welche Nachbarin oder welcher Nachbar kann kurzfristig helfen?
Ein Notfallplan ist kein Zeichen von Misstrauen. Er ist eine Einladung zur Unterstützung.
Baustein 9: Kinder altersgerecht einbeziehen
Kinder sollten nicht mit Krisenszenarien belastet werden. Aber sie dürfen einfache Sicherheitsabsprachen kennen.
Für kleine Kinder reicht:
„Wenn es laut wird oder wir raus müssen, bleiben wir zusammen.“
„Unser Treffpunkt ist bei der großen Laterne.“
„Wenn du uns nicht findest, gehst du zu Frau Schneider.“
„Du gehst nur mit Menschen mit, die wir vorher besprochen haben.“
Für Grundschulkinder kann mehr dazugehören:
eigene Adresse kennen,
112 kennen,
Namen der Eltern und Telefonnummern üben,
wissen, wo der Treffpunkt ist,
wissen, welche Erwachsenen helfen dürfen,
wissen, dass man bei Gefahr nicht versteckt bleibt,
wissen, dass offizielle Helfer Anweisungen geben dürfen.
Wichtig ist der Ton. Nicht: „Wenn etwas Schlimmes passiert, musst du ...“
Besser:
„Manchmal kann es sein, dass Familien kurz anders planen müssen. Deshalb wissen wir, wo wir uns treffen und wen wir anrufen.“
So wird der Plan nicht zur Angstgeschichte, sondern zur Orientierung.
Baustein 10: Nachbarschaft und Netzwerk
Krisenvorsorge ist leichter, wenn man nicht allein ist. Gerade Familien profitieren von einem kleinen Netzwerk.
Kläre:
Welche Nachbarn kennen eure Kinder?
Wer hat im Notfall einen Schlüssel?
Wer könnte ein Kind kurz aufnehmen?
Wer hat besondere Fähigkeiten, zum Beispiel medizinische Erfahrung?
Wer braucht selbst Unterstützung, zum Beispiel ältere Nachbarn?
Gibt es eine Hausgemeinschafts- oder Straßenabsprache?
Eine einfache Nachbarschaftsabsprache kann lauten:
„Wenn bei uns etwas ist und wir nicht erreichbar sind, darf unser Kind zu euch kommen. Wir tragen euch als Notfallkontakt ein.“
Solche Absprachen sollten klar, freiwillig und aktuell sein. Sie ersetzen keine offiziellen Stellen, können aber die ersten Minuten deutlich erleichtern.
Was in den Familien-Notfallplan gehört
Eine gute Vorlage kann diese Bereiche enthalten:
1. Familiendaten
Namen aller Familienmitglieder
Geburtsdaten der Kinder
Adresse
Stockwerk / Eingang / Name an der Klingel
Telefonnummern
2. Notfallnummern
112 Feuerwehr/Rettungsdienst
110 Polizei
116117 ärztlicher Bereitschaftsdienst
regionaler Giftnotruf
Kinderarztpraxis
nächste Kinderklinik
3. Kontaktkette
erste Kontaktperson
zweite Kontaktperson
Nachbarin/Nachbar
Verwandte
Kita/Schule/Hort
Arbeitgeber, falls relevant
4. Treffpunkte
Treffpunkt in der Nähe
Treffpunkt außerhalb des Wohnumfelds
Ausweichort bei Verwandten oder Freunden
5. Abholregelungen
Wer darf welches Kind abholen?
Wo ist das offiziell hinterlegt?
Gibt es ein Familien-Codewort?
Wer informiert wen nach der Abholung?
6. Medizinische Informationen
Allergien
Dauermedikamente
Notfallmedikamente
Vorerkrankungen
Krankenkasse
medizinische Besonderheiten
Lagerort von Medikamenten
7. Dokumente
Standort der Dokumentenmappe
wichtige Originale
wichtige Kopien
digitale Sicherung
Vollmachten, falls relevant
8. Ausrüstung
Notfallrucksack
Hausapotheke
Wasser/Vorräte
Taschenlampen
Powerbank
Radio
Haustierbedarf
9. Kinderhinweise
Wer sind sichere Erwachsene?
Wo ist der Treffpunkt?
Welche Nummer kann das Kind wählen?
Was soll das Kind tun, wenn es allein ist?
So bewahrst du den Plan sinnvoll auf
Ein Familien-Notfallplan sollte nicht nur digital existieren. Papier ist wichtig, weil Akku, Netz oder Geräte ausfallen können.
Sinnvolle Orte:
Familienordner,
Dokumentenmappe,
Innenseite eines Küchenschranks,
Flur oder Garderobe,
Notfallrucksack,
Kopie bei Vertrauensperson,
Kopie im Auto, wenn sinnvoll,
digitale Sicherung zusätzlich.
Achte darauf, sensible Daten nicht offen sichtbar aufzuhängen, wenn viele fremde Personen Zugang haben. Ein Plan mit Telefonnummern, medizinischen Angaben und Dokumentenhinweisen sollte geschützt, aber schnell erreichbar sein.
Ein Kompromiss: Eine sichtbare Kurzkarte mit Notrufnummern und Treffpunkt - und eine ausführlichere Version in der Dokumentenmappe.
Wie oft sollte der Plan aktualisiert werden?
Mindestens zweimal im Jahr. Ein guter Zeitpunkt ist der Wechsel von Sommer- auf Winterzeit oder der Beginn eines neuen Kita- oder Schuljahres.
Prüfe:
Stimmen alle Telefonnummern?
Gibt es neue Kita-, Schul- oder Hortdaten?
Haben sich Abholberechtigungen geändert?
Sind Medikamente oder Dosierungen aktuell?
Gibt es neue Allergien oder Diagnosen?
Hat sich das Gewicht des Kindes medizinisch relevant verändert?
Ist der Treffpunkt noch sinnvoll?
Ist die Dokumentenmappe vollständig?
Sind Notfallrucksack und Vorräte aktuell?
Weiß die Kontaktperson noch Bescheid?
Ein Plan ist nur dann hilfreich, wenn er aktuell ist.
Häufige Fehler bei Familien-Notfallplänen
Fehler 1: Der Plan ist zu kompliziert
Wenn ein Plan fünf Seiten lang ist und niemand ihn liest, hilft er wenig. Besser: eine klare Hauptseite und ergänzende Unterlagen.
Fehler 2: Alles liegt nur im Smartphone
Smartphones sind wichtig, aber nicht ausreichend. Akku, Netz oder Gerät können ausfallen.
Fehler 3: Kinder werden überfordert
Kinder brauchen einfache Sätze und klare Orte, keine Katastrophenszenarien.
Fehler 4: Abholberechtigungen sind nicht offiziell hinterlegt
Eine private Absprache reicht nicht immer. Kita, Schule oder Hort müssen wissen, wer abholen darf.
Fehler 5: Medizinische Angaben fehlen
Bei Allergien, Asthma, Epilepsie, Diabetes oder anderen Erkrankungen sind schriftliche Informationen besonders wichtig.
Fehler 6: Niemand kennt den Standort
Dokumentenmappe, Notfallrucksack und Medikamente müssen auffindbar sein.
Fehler 7: Der Plan wird nie aktualisiert
Ein alter Plan kann falsche Sicherheit geben.
Mini-Übung: Einmal im Jahr durchspielen
Ein Notfallplan muss nicht dramatisch geprobt werden. Aber eine ruhige Familienübung kann sinnvoll sein.
Beispiele:
Gemeinsam den Treffpunkt anschauen.
Mit Kindern die Adresse üben.
Taschenlampen testen.
Notfallrucksack zeigen.
Kontaktliste prüfen.
Abholpersonen besprechen.
„Was machen wir, wenn wir nicht in die Wohnung können?“ ruhig erklären.
Wichtig: Keine Angst erzeugen. Keine „Alarmübung“ mit Schrecken. Besser ist ein ruhiger Satz:
„Wir schauen heute kurz, ob unser Familienplan noch stimmt.“
Beispiel: Ein einfacher Familienablauf
Ein möglicher Ablauf kann so aussehen:
Es gibt eine Warnung oder akute Situation.
Ein Erwachsener sammelt die Kinder.
Der andere prüft Informationen und ruft bei Bedarf 112.
Wenn das Haus verlassen werden muss: Schuhe, Jacken, Notfallrucksack, Dokumentenmappe - nur wenn gefahrlos möglich.
Familie geht zum Treffpunkt in der Nähe.
Kontaktperson wird informiert.
Wenn der Bereich nicht sicher ist, geht die Familie zum zweiten Treffpunkt.
Kita, Schule oder Betreuung werden informiert, falls betroffen.
Kinder bekommen kurze, ruhige Erklärungen.
Weitere Schritte erfolgen nach offiziellen Informationen.
Das ist kein starres Drehbuch. Es ist ein gedankliches Geländer.
Kurze Checkliste für deinen Familien-Notfallplan
Notrufnummern notiert
regionaler Giftnotruf notiert
Kinderarztpraxis und wichtige Praxen notiert
zwei Kontaktpersonen festgelegt
Treffpunkt in der Nähe festgelegt
zweiter Treffpunkt außerhalb des Wohnumfelds festgelegt
Abholberechtigungen geprüft
Kita/Schule/Hort informiert
medizinische Informationen pro Kind notiert
Notfallmedikamente und Lagerort dokumentiert
Dokumentenmappe vorbereitet
Notfallrucksack-Standort notiert
Vorräte und Wasser eingeplant
Warn-App installiert
batteriebetriebenes Radio oder Alternative vorhanden
Kopie des Plans auf Papier vorhanden
Kinder altersgerecht eingeweiht
Plan zweimal jährlich aktualisieren
Tieferes Wissen & Vorlagen
Wenn du nicht bei null anfangen möchtest, kannst du unsere Vorlage „Familien-Notfallplan“ herunterladen. Sie führt dich Schritt für Schritt durch Kontakte, Treffpunkte, Abholregeln, medizinische Informationen, Dokumente, Ausrüstung und Kinderhinweise.
Im Kurs „Krisenvorsorge für Familien“ zeigen wir dir außerdem, wie du Familien-Notfallplan, Notfallrucksack, Vorräte, Stromausfall-Vorbereitung und kindgerechte Kommunikation sinnvoll miteinander verbindest - ruhig, praktisch und ohne Panikmache.
Quellen & fachliche Grundlage
Für diesen Artikel wurden insbesondere folgende seriöse Informationsquellen berücksichtigt:
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Dokumentenmappe und wichtige Unterlagen
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Notgepäck und Notfallrucksack
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Warn-App NINA und Warnmeldungen des Bevölkerungsschutzes
Johanniter-Unfall-Hilfe: Der Familien-Notfallplan; Notfallkontakte, Treffpunkte, Dokumente und Kommunikation
Deutsches Rotes Kreuz e. V.: Notruf 112 und wichtige Notrufnummern
Stand: Mai 2026