Erste Hilfe

Notruf richtig absetzen: Die 5 W und wichtige Nummern für Familien

Wenn einem Kind etwas passiert, zählt nicht nur Erste Hilfe. Genauso wichtig ist, schnell die richtige Hilfe zu holen. Genau hier entsteht bei vielen Eltern Unsicherheit: Rufe ich 112? Oder 116117? Was sage ich am Telefon? Muss ich die 5 W auswendig können? Und was, wenn ich in der Aufregung etwas vergesse?

Dieser Artikel ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs und keine ärztliche Beratung. Im Notfall wähle den Notruf 112.

Die beruhigende Antwort: Du musst keinen perfekten Notruf absetzen. In der Leitstelle arbeiten geschulte Menschen. Sie fragen dich nach den Informationen, die sie brauchen. Wichtig ist vor allem, dass du anrufst, am Telefon bleibst und so ruhig wie möglich beschreibst, was du siehst.

Trotzdem hilft Vorbereitung. Wer die wichtigsten Notrufnummern kennt und die Grundstruktur eines Notrufs verstanden hat, verliert im Ernstfall weniger Zeit. Für Familien ist das besonders wertvoll, weil Notfälle mit Kindern emotional stark belasten. Ein Kind schreit, blutet, bekommt schlecht Luft, krampft oder reagiert nicht wie gewohnt - und gleichzeitig muss ein Erwachsener entscheiden, handeln und Hilfe holen.

Dieser Artikel zeigt dir, wie du einen Notruf richtig absetzt, welche Nummer in welcher Situation passt und wie du auch Kinder altersgerecht an das Thema heranführen kannst.

Das Wichtigste vorab

Wenn Lebensgefahr besteht oder du eine Situation nicht sicher einschätzen kannst, rufe 112.

Die 112 ist in Deutschland die Nummer für Feuerwehr und Rettungsdienst. Sie ist auch in vielen europäischen Ländern die zentrale Notrufnummer. Bei medizinischen Notfällen, schweren Verletzungen, Atemnot, Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen, schweren Stürzen, Brand, Rauch oder Gasgeruch ist die 112 richtig.

Die wichtigsten Nummern für Familien in Deutschland:

  • 112 - Feuerwehr und Rettungsdienst bei akuten Notfällen

  • 110 - Polizei bei Gefahr, Bedrohung, Straftaten oder wenn polizeiliche Hilfe nötig ist

  • 116117 - ärztlicher Bereitschaftsdienst bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen medizinischen Problemen außerhalb der Praxiszeiten

  • Giftnotruf - bei Verdacht auf Vergiftung, regional zuständige Giftinformationszentrale

  • Kinderärztliche Praxis - für medizinische Fragen, die nicht akut lebensbedrohlich sind

  • 112 auch bei Vergiftung mit schweren Symptomen - zum Beispiel Bewusstlosigkeit, Atemnot, Krampfanfall oder starker Verschlechterung

Merksatz: Bei Lebensgefahr, schwerer Verletzung oder unklarer akuter Notlage: 112.

Wann ist 112 die richtige Nummer?

Rufe 112, wenn sofort Feuerwehr oder Rettungsdienst gebraucht werden. Das gilt besonders bei:

  • Bewusstlosigkeit oder starker Bewusstseinseintrübung,

  • Atemnot oder Erstickungsgefahr,

  • Krampfanfall, der anhält oder ungewöhnlich wirkt,

  • schweren Verletzungen,

  • starkem Blutverlust,

  • schweren Verbrennungen oder Verbrühungen,

  • Verdacht auf Vergiftung mit schweren Symptomen,

  • schweren Stürzen, besonders mit Kopfverletzung oder auffälligem Verhalten,

  • Verkehrsunfällen,

  • Brand, Rauchentwicklung oder Explosion,

  • Gasgeruch,

  • plötzlicher starker Verschlechterung des Kindes,

  • Situationen, in denen du ernsthaft unsicher bist, ob Lebensgefahr besteht.

Bei Kindern gilt: Wenn du das Gefühl hast, dass dein Kind nicht mehr sicher atmet, nicht richtig reagiert, sehr blass, blau oder ungewöhnlich schwach wirkt, ist 112 richtig.

Du musst nicht zuerst beweisen, dass es „schlimm genug“ ist. Die Leitstelle hilft dir bei der Einschätzung.

Wann ist 116117 richtig?

Die 116117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst. Sie ist für dringende medizinische Probleme gedacht, die nicht lebensbedrohlich sind, aber nicht bis zur nächsten regulären Sprechstunde warten sollten.

Beispiele können sein:

  • hohes Fieber ohne akute Notfallzeichen,

  • starke Ohrenschmerzen am Wochenende,

  • anhaltende Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten,

  • ein Hautausschlag, der zeitnah ärztlich eingeschätzt werden soll,

  • Schmerzen oder Symptome, bei denen du unsicher bist, die aber nicht lebensbedrohlich wirken.

Wichtig: Wenn dein Kind Atemnot hat, bewusstlos ist, krampft, nicht normal reagiert, schwer verletzt ist oder du eine akute Lebensgefahr vermutest, wählst du nicht 116117, sondern 112.

Die 116117 entlastet den Rettungsdienst, weil sie für nicht lebensbedrohliche, aber dringende medizinische Situationen gedacht ist.

Wann ist 110 richtig?

Die 110 ist die Nummer der Polizei. Sie ist richtig, wenn eine polizeiliche Gefahrenlage besteht oder eine Straftat passiert ist.

Rufe 110 zum Beispiel bei:

  • akuter Bedrohung,

  • Gewalt,

  • Einbruch,

  • Unfall mit Gefährdungslage,

  • vermisstem Kind in einer kritischen Situation,

  • beobachteter Straftat,

  • Gefahr durch aggressive Personen.

Wenn bei einer polizeilichen Lage zusätzlich jemand schwer verletzt ist oder medizinische Hilfe braucht, kann 112 ebenfalls notwendig sein. Im Zweifel ist wichtiger, dass du überhaupt Hilfe holst. Die Leitstellen können Einsatzkräfte koordinieren.

Wann rufst du den Giftnotruf?

Der Giftnotruf beziehungsweise die Giftinformationszentrale ist zuständig, wenn ein Kind möglicherweise etwas Giftiges aufgenommen hat und keine unmittelbar lebensbedrohlichen Symptome bestehen.

Das kann zum Beispiel passieren bei:

  • Reinigungsmitteln,

  • Medikamenten,

  • Waschmittel oder Spülmaschinentabs,

  • Pflanzen,

  • Kosmetik,

  • Chemikalien,

  • Alkohol,

  • Nikotinprodukten,

  • Pilzen,

  • unbekannten Substanzen.

Wichtig: Bei schweren Symptomen wie Bewusstlosigkeit, Atemnot, Krampfanfall, starkem Erbrechen, schwerer Verätzung oder rascher Verschlechterung rufst du sofort 112.

Beim Giftnotruf solltest du möglichst bereithalten:

  • Alter und Gewicht des Kindes,

  • was aufgenommen wurde,

  • wie viel ungefähr,

  • wann es passiert ist,

  • welche Symptome bestehen,

  • Verpackung oder Produktname,

  • Telefonnummer für Rückfragen.

In Deutschland gibt es mehrere Giftinformationszentren. Die zuständige Nummer hängt von Bundesland oder Region ab. Deshalb ist es sinnvoll, die passende Giftnotrufnummer bereits vorab im Familien-Notfallplan zu notieren.

Die 5 W: Was die Leitstelle wissen möchte

Viele Menschen kennen die „5 W“ aus Erste-Hilfe-Kursen. Sie helfen, die wichtigsten Informationen im Kopf zu behalten. Je nach Quelle werden sie leicht unterschiedlich formuliert. Für Familien ist diese Version besonders praktisch:

  1. Wo ist es passiert?

  2. Wer ruft an?

  3. Was ist passiert?

  4. Wie viele sind betroffen - und wie alt ist das Kind?

  5. Warten auf Rückfragen.

Du musst diese Reihenfolge nicht perfekt einhalten. Die Leitstelle führt dich durch das Gespräch. Aber wenn du die Punkte kennst, kannst du dich besser vorbereiten.

1. Wo ist es passiert?

Der Ort ist die wichtigste Information. Ohne Ort kann keine Hilfe geschickt werden.

Nenne möglichst genau:

  • Stadt oder Gemeinde,

  • Straße und Hausnummer,

  • Stockwerk,

  • Name an der Klingel,

  • Hinterhof, Eingang, Gebäudeteil oder besondere Zufahrt,

  • bei Spielplätzen, Parks oder Badeseen: genauer Treffpunkt oder markanter Punkt,

  • bei Straßen: Fahrtrichtung, Kilometerangabe oder nahe Ausfahrt, wenn bekannt,

  • bei Kita, Schule oder Verein: Gebäudeteil, Raum, Turnhalle, Außengelände.

Wenn möglich, schicke eine Person nach draußen, um Rettungsdienst oder Feuerwehr einzuweisen. Gerade in großen Gebäuden, Wohnanlagen, Hinterhöfen oder bei schlecht sichtbaren Hausnummern kann das entscheidend Zeit sparen.

Bei Kindern ist es sinnvoll, die eigene Adresse früh spielerisch zu üben - nicht als Angstthema, sondern als Sicherheitswissen.

2. Wer ruft an?

Nenne deinen Namen und eine Telefonnummer für Rückfragen. Wenn du nicht am Unfallort bist, sag das direkt.

Beispiel:

„Mein Name ist Anna Müller. Ich bin die Mutter des Kindes. Ich bin vor Ort. Meine Rückrufnummer ist ...“

Oder:

„Ich bin Nachbarin und habe den Sturz gesehen. Die Eltern sind noch nicht da.“

Diese Information hilft der Leitstelle, dich richtig einzuordnen und bei Rückfragen wieder zu erreichen.

3. Was ist passiert?

Beschreibe kurz und konkret, was du siehst. Du musst keine Diagnose stellen.

Nicht nötig ist:

„Ich glaube, es könnte vielleicht eine komplizierte neurologische Sache sein.“

Besser ist:

„Mein zweijähriges Kind ist von der Treppe gestürzt. Es weint nicht mehr richtig und wirkt sehr schläfrig.“

Oder:

„Mein Baby bekommt schlecht Luft und hustet kaum noch.“

Oder:

„Mein Kind hat wahrscheinlich ein Reinigungsmittel getrunken. Es würgt und weint.“

Die Leitstelle braucht beobachtbare Informationen: Was ist passiert? Was siehst du? Wie verhält sich das Kind jetzt?

4. Wie viele sind betroffen - und wie alt ist das Kind?

Sage, wie viele Personen betroffen sind. Bei Kindern ist das Alter besonders wichtig. Es hilft der Leitstelle und den Rettungskräften, die Situation besser einzuschätzen.

Beispiele:

„Ein Kind, drei Jahre alt.“

„Zwei Kinder, eines etwa vier Jahre, eines etwa acht Jahre.“

„Ein Säugling, sechs Monate alt.“

Wenn du das genaue Alter nicht weißt, schätze es. Bei fremden Kindern auf dem Spielplatz reicht eine grobe Angabe: „etwa fünf Jahre“.

Ergänze, was du über den Zustand sagen kannst:

  • atmet normal oder nicht,

  • wach oder bewusstlos,

  • blutet stark oder nicht,

  • krampft oder nicht,

  • ansprechbar oder nicht,

  • Hautfarbe auffällig,

  • starke Schmerzen,

  • Verdacht auf Vergiftung.

5. Warten auf Rückfragen

Lege nicht auf, bis die Leitstelle das Gespräch beendet. Das ist einer der wichtigsten Punkte.

Die Leitstelle kann weitere Fragen haben, zum Beispiel:

  • Atmet das Kind normal?

  • Ist es ansprechbar?

  • Welche Farbe hat die Haut?

  • Gibt es Blutungen?

  • Wie lange dauert der Anfall schon?

  • Was wurde verschluckt?

  • Ist die Tür offen?

  • Wer weist die Einsatzkräfte ein?

In manchen Situationen kann die Leitstelle dich auch telefonisch anleiten, zum Beispiel bei Wiederbelebungsmaßnahmen. Deshalb ist es gut, das Telefon auf Lautsprecher zu stellen, wenn du gleichzeitig beim Kind bleiben musst.

Merke: Du legst nicht zuerst auf. Die Leitstelle sagt dir, wann das Gespräch beendet werden kann.

Was tun, wenn du allein mit dem Kind bist?

Wenn du allein bist, entsteht schnell Überforderung: Beim Kind bleiben oder telefonieren? Erste Hilfe leisten oder Tür öffnen?

Eine praktische Reihenfolge ist:

  1. Prüfe kurz, ob akute Lebensgefahr besteht.

  2. Rufe 112 und stelle das Telefon auf Lautsprecher.

  3. Bleibe beim Kind und folge den Anweisungen.

  4. Öffne, wenn möglich, Haustür oder Wohnungstür.

  5. Wenn es sicher möglich ist, mache Licht an oder sorge dafür, dass der Ort auffindbar ist.

  6. Warte nicht am Eingang, wenn dein Kind dich braucht - bleibe beim Kind.

Wenn andere Personen da sind, verteile Aufgaben klar:

  • „Du rufst 112.“

  • „Du gehst zur Straße und weist den Rettungsdienst ein.“

  • „Du holst den Impfpass und Medikamente.“

  • „Du kümmerst dich um das Geschwisterkind.“

Klare kurze Anweisungen helfen, weil andere Menschen in Notfällen ebenfalls unter Stress stehen.

Was du während des Wartens tun kannst

Nach dem Notruf beginnt oft eine sehr belastende Phase: Hilfe ist unterwegs, aber noch nicht da.

Je nach Situation kannst du:

  • Erste Hilfe leisten,

  • Atmung und Bewusstsein beobachten,

  • starke Blutungen versorgen,

  • das Kind warm halten,

  • beruhigend sprechen,

  • gefährliche Umgebung sichern,

  • Haustür öffnen,

  • Licht einschalten,

  • Haustiere sichern,

  • wichtige Medikamente oder Verpackungen bereitlegen,

  • Geschwisterkinder aus der Situation nehmen,

  • auf Rückfragen der Leitstelle achten.

Wichtig: Bring dich selbst nicht in Gefahr. Bei Feuer, Rauch, Gasgeruch, instabilen Gebäuden oder Verkehrsunfällen gilt Eigenschutz. Du kannst nur helfen, wenn du selbst sicher bleibst.

Was Kinder über den Notruf wissen sollten

Kinder können altersgerecht lernen, wie Hilfe geholt wird. Das bedeutet nicht, sie mit Notfallszenarien zu erschrecken. Es bedeutet, ihnen einfache Sicherheitsinformationen zu geben.

Für kleinere Kinder reicht zunächst:

  • Die Notrufnummer ist 112.

  • Dort geht jemand ans Telefon, der hilft.

  • Man ruft nur an, wenn wirklich Hilfe gebraucht wird.

  • Man sagt, wo man ist.

  • Man sagt, was passiert ist.

  • Man bleibt am Telefon.

Für Kinder kann man die 5 W vereinfachen:

  1. Wo bist du?

  2. Was ist passiert?

  3. Warte am Telefon.

Diese vereinfachte Struktur ist für Kinder oft leichter als die vollständige Erwachsenenliste.

Wie du den Notruf mit Kindern üben kannst

Üben ist sinnvoll - aber niemals mit einem echten Notruf.

Nutze ein Spielzeugtelefon, ein ausgeschaltetes Handy oder ein Rollenspiel. Eine erwachsene Person spielt die Leitstelle.

Beispiel:

Erwachsener: „Notruf, Feuerwehr und Rettungsdienst. Wo bist du?“

Kind: „Ich bin zu Hause, in der Musterstraße 5.“

Erwachsener: „Was ist passiert?“

Kind: „Mama ist gefallen und steht nicht auf.“

Erwachsener: „Bleib am Telefon. Ich helfe dir.“

Wichtig ist ein ruhiger Ton. Das Kind soll nicht denken, dass überall Gefahr lauert. Es soll lernen: Wenn etwas Ernstes passiert und kein Erwachsener helfen kann, darf ich Hilfe holen.

Übe außerdem:

  • eigene Adresse,

  • Nachname,

  • Namen der Eltern,

  • Tür öffnen nur nach klarer Absprache,

  • Hilfe bei Nachbarn holen,

  • nicht auflegen.

Bei kleinen Kindern reichen kurze Wiederholungen. Einmal lang erklären ist weniger wirksam als regelmäßig kurz üben.

Notruf vom Handy: Was Eltern vorbereiten können

Viele Notrufe werden heute vom Smartphone abgesetzt. Das ist praktisch, aber nur, wenn man im Stress damit umgehen kann.

Prüfe deshalb:

  • Können Erwachsene den Notruf schnell wählen, auch wenn das Handy gesperrt ist?

  • Wissen ältere Kinder, wie sie den Notruf erreichen?

  • Sind wichtige Kontakte als Favoriten gespeichert?

  • Sind medizinische Notfallinformationen im Handy hinterlegt, wenn ihr das nutzen möchtet?

  • Ist die Adresse zu Hause sichtbar notiert, falls ein Kind anrufen muss?

  • Gibt es eine Powerbank oder Lademöglichkeit?

Verlasse dich nicht nur auf gespeicherte Kontakte. Die Nummer 112 sollte jeder Erwachsene und ältere Kinder auswendig kennen.

Familien-Notfallkarte: Was darauf stehen sollte

Eine einfache Notfallkarte kann im Alltag sehr hilfreich sein. Sie gehört an einen festen Ort, zum Beispiel an die Innenseite eines Küchenschranks, in den Flur oder in die Nähe des Telefons.

Darauf stehen:

  • Adresse,

  • Stockwerk,

  • Name an der Klingel,

  • Telefonnummern der Eltern,

  • 112 Feuerwehr/Rettungsdienst,

  • 110 Polizei,

  • 116117 ärztlicher Bereitschaftsdienst,

  • regionaler Giftnotruf,

  • Kinderarztpraxis,

  • wichtige medizinische Hinweise,

  • Allergien,

  • regelmäßige Medikamente,

  • Kontaktperson in der Nähe.

Für Kinder kann die Karte zusätzlich mit Symbolen gestaltet werden: Haus, Telefon, Herz, Feuerwehr, Polizei.

Wichtig: Die Karte sollte aktuell bleiben. Wenn ihr umzieht, Telefonnummern wechselt oder sich medizinische Angaben ändern, muss sie angepasst werden.

Häufige Unsicherheiten von Eltern

„Was, wenn ich aus Versehen die falsche Nummer wähle?“

Wichtiger als perfekte Nummernwahl ist, dass du Hilfe holst. Bei akuter Lebensgefahr ist 112 richtig. Wenn du unsicher bist, ob es lebensbedrohlich ist, ist 112 vertretbar. Die Leitstelle hilft bei der Einschätzung.

„Was, wenn ich am Telefon durcheinander bin?“

Das ist normal. Sag direkt: „Ich bin sehr aufgeregt.“ Die Leitstelle stellt Fragen. Du musst nicht perfekt formulieren.

„Soll ich erst die Kinderarztpraxis anrufen?“

Nicht bei akuter Lebensgefahr. Wenn dein Kind nicht normal atmet, bewusstlos ist, schwer verletzt ist oder sich stark verschlechtert, rufst du 112.

„Soll ich selbst ins Krankenhaus fahren?“

Bei schweren Notfällen ist der Rettungsdienst sinnvoller. Im Rettungswagen kann medizinische Versorgung beginnen, und die Leitstelle weiß, welche Klinik geeignet ist. Selbstfahren kann riskant sein, wenn du gleichzeitig auf dein Kind achten musst.

„Darf ich wegen eines Kindes schneller 112 rufen?“

Ja, wenn du eine ernste akute Situation vermutest oder unsicher bist. Kinder können sich schnell verändern. Lieber rechtzeitig Hilfe holen als zu lange abwarten.

Was du nicht tun solltest

  • Nicht auflegen, bevor die Leitstelle es sagt.

  • Nicht lange nach der perfekten Diagnose suchen.

  • Nicht zuerst Freunde oder Familie anrufen, wenn 112 nötig ist.

  • Nicht selbst fahren, wenn dein Kind akut schwer krank oder verletzt wirkt.

  • Nicht Kinder mit echten Testanrufen üben lassen.

  • Nicht aus Angst vor „Fehlalarm“ zögern, wenn Lebensgefahr möglich ist.

  • Nicht die 112 für nicht dringende Fragen nutzen.

Der Notruf ist für echte Notfälle da. Aber wenn eine echte Notlage möglich ist, ist Zögern gefährlicher als ein klärender Anruf.

Kurze Checkliste für den Ernstfall

Wenn etwas passiert:

  1. Eigenschutz beachten.

  2. Kind ansprechen und Atmung prüfen, soweit möglich.

  3. 112 wählen, wenn akute Gefahr besteht.

  4. Telefon auf Lautsprecher stellen.

  5. Ort genau nennen.

  6. Kurz sagen, was passiert ist.

  7. Alter und Zustand des Kindes nennen.

  8. Fragen beantworten.

  9. Nicht auflegen.

  10. Erste Hilfe leisten, soweit möglich.

  11. Rettungsdienst einweisen lassen.

  12. Wichtige Informationen bereitlegen.

Diese Checkliste muss im Notfall nicht perfekt abgearbeitet werden. Sie soll dir Orientierung geben.

Tieferes Wissen & Vorlagen

Wenn du wichtige Nummern, die 5 W und medizinische Besonderheiten deiner Kinder an einem Ort festhalten möchtest, kannst du unseren Notfall-Quickguide für Familien herunterladen. Er ist so gestaltet, dass er zu Hause sichtbar abgelegt oder in der Familienmappe aufbewahrt werden kann.

Im Kurs „Erste Hilfe am Kind“ zeigen wir dir außerdem, wie du typische Notfallsituationen erkennst, wann der Notruf wichtig ist und wie du die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sinnvoll überbrückst.

Quellen & fachliche Grundlage

Für diesen Artikel wurden insbesondere folgende seriöse Informationsquellen berücksichtigt:

  • Deutsches Rotes Kreuz e. V.: Notruf 112 und wichtige Notrufnummern in Deutschland

  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Europäischer Tag des Notrufs 112, Abgrenzung 112 und 116117

  • Bayerisches Staatsministerium des Innern: Die fünf W des Notrufs

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung / BIÖG: Broschüre „Kinder schützen - Unfälle verhüten“, Abschnitt Notruf 112 und 5 W

  • DLRG e. V.: Notruf absetzen und mit Kindern üben

  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Verzeichnis der Giftinformationszentren in Deutschland

  • kindergesundheit-info.de: Giftnotrufzentralen und Notfallinformationen für Familien

Stand: Mai 2026