Krisenvorsorge

Stromausfall mit Kindern: ruhig durch die dunklen Stunden

Ein Stromausfall ist für Erwachsene oft schon ungewohnt. Für Kinder kann er besonders verunsichernd sein: Das Licht geht aus, WLAN funktioniert nicht, der Fernseher bleibt schwarz, vielleicht ist es plötzlich still oder draußen ungewöhnlich dunkel. Wenn dann Erwachsene hektisch werden, überträgt sich diese Unruhe schnell.

Die gute Nachricht: Die meisten Stromausfälle sind zeitlich begrenzt. Trotzdem ist es sinnvoll, vorbereitet zu sein. Denn Strom versorgt nicht nur Lampen und Geräte. Auch Heizung, Kühlschrank, Herd, Telefon, Internet, Aufzüge, Geldautomaten und teilweise die Wasserversorgung können betroffen sein.

Mit Kindern geht es bei der Vorbereitung nicht um Panik. Es geht um einfache Strukturen: Wo ist Licht? Wie bleiben wir informiert? Wie halten wir uns warm? Was essen und trinken wir? Wie beschäftigen wir die Kinder? Und wie erklären wir die Situation so, dass sie nicht größer wirkt, als sie ist?

Dieser Artikel gibt dir eine ruhige Orientierung für Familien - praktisch, übersichtlich und kindgerecht.

Das Wichtigste vorab

Wenn der Strom ausfällt:

  1. Ruhe bewahren und Kinder sammeln. Erst Orientierung, dann handeln.

  2. Taschenlampe oder Laterne nutzen. Kerzen nur mit großer Vorsicht und nie unbeaufsichtigt.

  3. Prüfen, ob nur eure Wohnung betroffen ist. Sicherung/FI-Schalter nur prüfen, wenn es gefahrlos möglich ist.

  4. Informationen einholen. Batterieradio, Kurbelradio, Autoradio oder Smartphone sparsam nutzen.

  5. Handy-Akku schonen. Flugmodus, Energiesparmodus, Powerbank nutzen.

  6. Wärme halten. Einen Raum wählen, Türen schließen, warme Kleidung und Decken nutzen, regelmäßig lüften.

  7. Nicht in Innenräumen grillen oder Campingkocher unsicher nutzen. Erstickungs- und Kohlenmonoxidgefahr.

  8. Kinder beruhigen und beschäftigen. Ein Stromausfall darf für Kinder eine ungewöhnliche, aber sichere Familiensituation bleiben.

Merksatz: Licht, Wärme, Wasser, Information und Ruhe - das sind die ersten fünf Punkte.

Was ein Stromausfall im Familienalltag verändert

Ein kurzer Stromausfall ist oft nur störend. Ein längerer Stromausfall kann den Alltag spürbar verändern. Je nach Dauer können betroffen sein:

  • Licht,

  • Kühlschrank und Gefrierschrank,

  • Herd und Backofen,

  • Heizung oder Warmwasser,

  • WLAN und Festnetztelefon,

  • Mobilfunknetz,

  • Aufzüge,

  • elektrische Rolläden,

  • Geldautomaten und Kartenzahlung,

  • teilweise die Wasserversorgung.

Für Familien mit Babys, Kleinkindern, kranken Kindern oder medizinischen Geräten ist Vorbereitung besonders wichtig. Wenn in eurer Familie ein Gerät elektrisch betrieben wird, das medizinisch notwendig ist, solltet ihr vorab mit Ärztin, Arzt, Versorger oder Netzbetreiber klären, welche Notfalllösung sinnvoll ist.

Vorbereitung: Diese Dinge sollten griffbereit sein

Du brauchst keine extreme Ausrüstung. Für Familien zählt vor allem, dass die wichtigsten Dinge schnell gefunden werden.

Sinnvoll sind:

  • Taschenlampen oder Stirnlampen,

  • Ersatzbatterien,

  • Powerbank,

  • Ladekabel,

  • batteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio,

  • Kerzen nur als Reserve und kindersicher genutzt,

  • Streichhölzer oder Feuerzeug außer Kinderreichweite,

  • haltbare Lebensmittel, die kalt gegessen werden können,

  • Trinkwasser,

  • Baby- oder Spezialnahrung, falls nötig,

  • Medikamente und Hausapotheke,

  • warme Kleidung und Decken,

  • Bargeld in kleinen Scheinen,

  • wichtige Telefonnummern auf Papier,

  • Beschäftigung für Kinder: Bücher, Karten, Malblock, kleines Spiel.

Wichtig: Dinge müssen an einem festen Ort liegen. Eine Taschenlampe hilft wenig, wenn niemand weiß, wo sie ist oder die Batterien leer sind.

Licht: sicherer als Kerzen planen

Kinder erleben Dunkelheit oft intensiver als Erwachsene. Deshalb ist Licht der erste beruhigende Faktor. Am sichersten sind Taschenlampen, Stirnlampen, LED-Laternen oder batteriebetriebene Nachtlichter.

Kerzen können gemütlich wirken, sind aber mit Kindern ein Brandrisiko. Wenn ihr Kerzen nutzt, dann nur:

  • auf stabiler, nicht brennbarer Unterlage,

  • außer Reichweite von Kindern,

  • weit weg von Vorhängen, Papier, Decken und Spielzeug,

  • nie unbeaufsichtigt,

  • nicht im Kinderzimmer,

  • nicht, wenn alle schlafen.

Für Kinder sind Stirnlampen oft besonders praktisch. Sie geben Licht, lassen die Hände frei und können den Stromausfall weniger bedrohlich wirken lassen.

Wärme: einen Raum wählen und ruhig bleiben

Wenn die Heizung ausfällt, wird nicht sofort alles kalt. Meist hilft es, Wärme zu halten:

  • einen Aufenthaltsraum wählen,

  • Türen schließen,

  • warme Kleidung im Zwiebellook,

  • Mützen, Socken und Decken nutzen,

  • Zugluft reduzieren,

  • regelmäßig kurz lüften,

  • Kinder in Bewegung halten, aber nicht überhitzen.

Wichtig: Alternative Heizquellen sind nur sinnvoll, wenn sie sicher und dafür geeignet sind. Gasbetriebene Geräte, offene Flammen oder improvisierte Heizlösungen können gefährlich werden. Kohlenmonoxid ist unsichtbar und geruchlos. Ein Kohlenmonoxid-Warnmelder erhöht die Sicherheit, ersetzt aber nicht die sichere Nutzung geeigneter Geräte.

Grill, Holzkohlegrill, Gasgrill oder Campingkocher gehören nicht in die Wohnung. Dort besteht Erstickungs- und Kohlenmonoxidgefahr.

Essen und Wasser: einfach statt perfekt

Bei einem Stromausfall funktionieren Herd, Backofen und Mikrowelle oft nicht. Kühlschrank und Gefrierschrank sollten möglichst geschlossen bleiben, damit die Kälte länger erhalten bleibt.

Für Familien sind Lebensmittel sinnvoll, die ohne Strom funktionieren:

  • Brot, Knäckebrot, Zwieback,

  • haltbare Aufstriche,

  • Nüsse nur altersgerecht und nicht für kleine Kinder,

  • Müsliriegel,

  • Obstmus oder Gläschen,

  • haltbare Milchalternativen oder H-Milch, falls genutzt,

  • Konserven, die auch kalt gegessen werden können,

  • Babynahrung nach Bedarf,

  • ausreichend Trinkwasser.

Wenn ihr mit Campingkocher oder Grill kochen möchtet, dann nur draußen oder in dafür sicher geeigneter Umgebung - niemals in geschlossenen Wohnräumen.

Für Babys ist besondere Planung sinnvoll: Wie wird Nahrung zubereitet, wenn Wasserkocher, Herd oder Sterilisator nicht funktionieren? Welche sichere Alternative habt ihr? Das sollte nicht erst im Stromausfall überlegt werden.

Information: nicht nur auf das Smartphone verlassen

Bei Stromausfall können Internet und Mobilfunk eingeschränkt sein. Deshalb ist ein batteriebetriebenes Radio oder Kurbelradio sinnvoll. Auch ein Autoradio kann helfen, wenn das sicher und praktikabel ist.

Vorbereitung:

  • Warn-App auf dem Smartphone installieren,

  • Powerbank geladen halten,

  • wichtige Nummern auf Papier notieren,

  • lokale Informationswege kennen,

  • Radio und Batterien bereithalten,

  • Handy-Akku schonen.

Kinder brauchen keine Dauerinformationen. Für sie reicht eine kurze Erklärung:

„Der Strom ist gerade ausgefallen. Erwachsene prüfen, was los ist. Wir haben Licht, Wasser und Decken. Wir bleiben zusammen.“

Zu viele Nachrichten oder dramatische Gespräche können Kinder unnötig verunsichern.

Kinder beschäftigen: aus Ausnahme eine ruhige Familiensituation machen

Ein Stromausfall wird für Kinder leichter, wenn sie wissen, was jetzt passiert. Lege einfache Familienrituale fest:

  • Taschenlampenrunde,

  • gemeinsames Vorlesen,

  • Kartenspiel,

  • Malen,

  • Hörspiel nur, wenn Akku geschont werden kann,

  • Kuscheldecke und warmer Tee, wenn möglich,

  • gemeinsam den Notfallrucksack anschauen,

  • kleine Aufgabe: „Du hältst die Taschenlampe.“

Wichtig: Kinder sollen beteiligt sein, aber nicht verantwortlich gemacht werden. Sie dürfen helfen, ohne das Gefühl zu bekommen, die Krise lösen zu müssen.

Gute Sätze sind:

„Das ist ungewohnt, aber wir sind vorbereitet.“

„Wir bleiben zusammen.“

„Wenn du Fragen hast, kannst du sie stellen.“

„Wir machen jetzt einen ruhigen Abend mit Taschenlampen.“

Was du vermeiden solltest

  • In der Wohnung grillen oder Campingkocher nutzen.

  • Kerzen unbeaufsichtigt lassen.

  • Kinder mit Kerzen allein lassen.

  • Kühlschrank und Gefrierschrank ständig öffnen.

  • Smartphone-Akku durch unnötiges Scrollen verbrauchen.

  • Aufzug benutzen, wenn ein Stromausfall möglich oder gerade eingetreten ist.

  • Panische Gespräche vor Kindern führen.

  • Batterien erst im Ernstfall suchen.

  • Notfallnummern nur im Handy speichern.

  • Medizinische Geräte ohne Notfallplan betreiben.

Diese Punkte sind einfach - aber genau einfache Regeln helfen in einer ungewohnten Situation.

Kompakte Familien-Checkliste

Vor dem Stromausfall

  • Taschenlampen und Stirnlampen bereitlegen

  • Ersatzbatterien prüfen

  • Powerbank laden

  • Batterieradio oder Kurbelradio bereithalten

  • Wasser und einfache Lebensmittel bevorraten

  • Babynahrung/Spezialnahrung einplanen

  • Medikamente und Hausapotheke prüfen

  • Bargeld bereithalten

  • wichtige Nummern auf Papier notieren

  • Familien-Notfallplan erstellen

  • Kindern ruhig erklären, wo Licht und Treffpunkt sind

Während des Stromausfalls

  • Kinder sammeln und beruhigen

  • Licht sicher einschalten

  • Handy-Akku schonen

  • Informationen über Radio/Warn-App einholen

  • Kühlschrank möglichst geschlossen halten

  • warmen Aufenthaltsraum wählen

  • nicht in Innenräumen grillen oder kochen

  • Kerzen nur sicher und beaufsichtigt nutzen

  • Kinder beschäftigen und Routinen halten

  • bei akuter Gefahr 112 rufen

Tieferes Wissen & Vorlagen

Wenn du Stromausfall, Notfallrucksack, Vorräte und Familienkommunikation nicht einzeln organisieren möchtest, kannst du unsere Vorlage „Familien-Notfallplan“ nutzen. Sie hilft dir, Licht, Kontakte, Treffpunkte, Medikamente, Kinderbedürfnisse und wichtige Abläufe übersichtlich festzuhalten.

Im Kurs „Krisenvorsorge für Familien“ zeigen wir dir außerdem, wie du dich auf Stromausfall und andere Alltagssonderlagen vorbereitest - ruhig, praktisch und ohne Panikmache.

Quellen & fachliche Grundlage

Für diesen Artikel wurden insbesondere folgende seriöse Informationsquellen berücksichtigt:

  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Vorsorge und Handeln bei Stromausfall

  • Bundesregierung: Stromausfall/Blackout - Einordnung und private Vorsorge

  • Bundesnetzagentur: Hinweise zur Versorgungssicherheit und privater Vorsorge bei seltenen Stromausfällen

  • Ministerium des Inneren Baden-Württemberg: Tipps zur Notfallvorsorge, Taschenlampen, Radio, Trinkwasser, Nahrungsmittel und 112

  • BBK: Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“

Stand: Mai 2026