Krisenvorsorge

Die ersten 72 Stunden: bleiben oder gehen?

Wenn eine Krise eintritt, stellt sich schnell eine Frage: zu Hause bleiben oder das Haus verlassen? Beides kann richtig sein — es kommt auf die Lage an. Hier erfährst du, wie du diese Entscheidung vorbereitest und was für die ersten Tage griffbereit sein sollte.

Das Wichtigste vorab

  • In vielen Lagen ist Zuhausebleiben am sichersten (z. B. Stromausfall, Chemieunfall) — in anderen musst du schnell raus (Brand, Hochwasser, Gasleck, Bombenfund).

  • Die Entscheidung triffst du nicht allein: Folge den offiziellen Anweisungen von Feuerwehr, Polizei und Behörden.

  • Wer vorbereitet ist, bleibt handlungsfähig. Ist der Notfall erst da, ist zum Vorsorgen meist keine Zeit mehr (BBK).

  • Ein gepacktes Notgepäck pro Familienmitglied — auch für Kinder — macht den Unterschied, wenn es schnell gehen muss.

  • Für Kinder gehört ein Brustbeutel oder eine SOS-Kapsel mit Name, Geburtsdatum und Anschrift dazu.

„Bleiben oder gehen?“ — es kommt auf die Lage an

Zu Hause bleiben ist oft die sicherste Wahl, etwa bei einem Stromausfall, bei der Freisetzung von Gefahrstoffen (Chemieunfall) oder bei schwerem Unwetter. Dann heißt es: drinnen bleiben, Fenster und Türen schließen, Lüftung oder Klimaanlage aus, informiert bleiben.

Das Haus verlassen musst du dagegen bei einem Hausbrand (sofort raus!), bei Hochwasser, einem Gasleck oder wenn wegen eines Bombenfunds evakuiert wird. In beiden Fällen gilt: Ruhe bewahren, offizielle Warnungen über NINA und Radio verfolgen und den Anweisungen der Einsatzkräfte folgen. Wie du zuverlässig gewarnt wirst, liest du im Artikel „Warnsysteme verstehen“.

Warum „die ersten 72 Stunden“?

In den ersten Stunden und Tagen einer Krise kann die normale Versorgung unterbrochen sein — Strom, Wasser, der Einkauf um die Ecke — und Hilfe von außen braucht Zeit, um anzulaufen. Ziel der Vorsorge ist, genau diese Zeit selbst überbrücken zu können. Das BBK empfiehlt, sich möglichst zehn Tage lang selbst versorgen zu können; aber schon ein Vorrat für drei Tage hilft sehr — darauf lässt sich Schritt für Schritt aufbauen. Details findest du im Artikel „Notvorrat für Familien anlegen“.

Wenn ihr bleibt: sicher zu Hause

Bleib informiert — ein batteriebetriebenes Radio ist hier Gold wert, weil es auch ohne Strom und Internet funktioniert. Halte Wasser (als Faustregel rund zwei Liter pro Person und Tag) und haltbare Lebensmittel bereit, dazu Wärme (Decken), Licht (Taschenlampe) und eine gut gefüllte Hausapotheke. Bei einer Gefahrstoff-Warnung gilt: hineingehen, Fenster und Türen schließen, Lüftung aus — und auf Entwarnung warten.

Wenn ihr gehen müsst: das Notgepäck

Die oberste Regel des BBK lautet: Nimm für jedes Familienmitglied nicht mehr mit, als in einen Rucksack passt — und plane für jede tragfähige Person, auch für Kinder, einen eigenen. Das Notgepäck soll helfen, die ersten Tage außer Haus zurechtzukommen. Wichtig: In akuter Gefahr ist keine Zeit mehr zum Packen — der Rucksack muss vorher griffbereit stehen.

In das Notgepäck gehören u. a.: Dokumentenmappe mit Kopien wichtiger Unterlagen, persönliche Medikamente und Hausapotheke, Verpflegung für rund zwei Tage plus Wasser, ein batteriebetriebenes Radio, Taschenlampe, Bargeld, warme Kleidung und Regenschutz, Hygieneartikel sowie Handy mit Ladegerät oder Powerbank.

Für Kinder zusätzlich: ein Brustbeutel oder eine SOS-Kapsel mit Name, Geburtsdatum und Anschrift, ein vertrautes Trost-Objekt (Kuscheltier), Wechselkleidung sowie Windeln und Snacks je nach Alter. Wie du den Rucksack im Detail packst, steht im Artikel „Notfall-Rucksack richtig packen“.

Kinder einbeziehen — ohne Angst zu machen

Erkläre altersgerecht und ruhig, und rahme das Ganze als „Familien-Plan“ statt als Bedrohung. Übt gemeinsam eure Treffpunkte, und lass die Kinder ihren eigenen kleinen Rucksack mitpacken — das Kuscheltier darf mit. Für Grundschulkinder macht das BBK-Angebot „Max und Flocke im Helferland“ das Thema spielerisch erfahrbar. Wie ihr eure Treffpunkte und Kontakte festlegt, zeigt der Artikel „Familien-Notfallplan erstellen“.

Jetzt vorbereiten

  • Für jedes Familienmitglied ein Notgepäck packen und an einem griffbereiten Ort lagern.
  • Eine Dokumentenmappe anlegen und Kopien der wichtigsten Unterlagen erstellen.
  • Familien-Treffpunkte und Notfallkontakte festlegen (siehe „Familien-Notfallplan erstellen“).
  • Warn-App NINA installieren und den Warntag zum Prüfen nutzen.
  • Das Ganze mit den Kindern besprechen und in Ruhe einmal durchspielen.

Impulsfragen für den Alltag

Ein paar Fragen, mit denen ihr eure Vorbereitung gemeinsam durchgehen könnt:

  • Wisst ihr für die häufigsten Lagen (Stromausfall, Brand, Hochwasser), ob ihr eher bleibt oder geht?

  • Steht für jedes Familienmitglied ein Notgepäck griffbereit?

  • Kennen deine Kinder den vereinbarten Treffpunkt, falls ihr euch einmal trennt?

Tieferes Wissen & Vorlagen

Dieser Artikel gehört zur Themenwelt „Kinder in Krisen & Krisenvorsorge“. Wenn du das gesamte Wissen an einem Ort haben möchtest — alle Videokurse und das komplette PDF-Archiv im Kursbereich —, findest du es mit dem All-Access-Pass.

Quellen & fachliche Grundlage

Dieser Artikel fasst allgemein anerkanntes, präventives Wissen zusammen und ersetzt keine offiziellen Verhaltenshinweise im Ernstfall. Maßgeblich sind stets die aktuellen Anweisungen der Einsatzkräfte und Behörden.

  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) — Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ inkl. Checkliste; Notgepäck & Dokumentenmappe; „Max und Flocke im Helferland“ (bbk.bund.de)

  • Bundeswarnportal — warnung.bund.de

Stand: Juli 2026